Die Syrische Nationalvereinigung in Österreich beim Wiener Bürgerrat: Aktive gesellschaftliche Teilhabe, Mitgestaltung der Zukunft Wiens und gemeinsame Lösungsansätze für die Herausforderungen der Bevölkerung
Im Rahmen der Förderung gesellschaftlicher Teilhabe und des Dialogs zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen in der österreichischen Hauptstadt Wien nahm die Syrische Nationalvereinigung in Österreich an der Initiative „Bürgerrat für Wiener*innen ohne Wahlrecht“ teil. Ziel dieser Initiative ist es, Menschen, die kein Wahlrecht besitzen, die Möglichkeit zu geben, über Themen zu diskutieren, die ihren Alltag betreffen, sowie Ideen und Vorschläge für eine bessere Zukunft der Stadt einzubringen.
Das erste Treffen fand am Samstag, dem 26. September 2026, mit 25 Teilnehmerinnen und Teilnehmern unterschiedlicher Nationalitäten und Lebenshintergründe aus Wien statt. Das zweite Treffen wurde am Samstag, dem 10. Oktober 2026, abgehalten, um die Diskussionen fortzusetzen und die Ideen und Vorschläge weiterzuentwickeln.
An der Initiative nahm Herr Sami Al-Aboud, Vorsitzender der Syrischen Nationalvereinigung, teil. Darüber hinaus beteiligten sich Herr Ahmad aus der irakischen Community und Frau Paradise aus der jordanischen Community. Damit waren lediglich drei Personen aus arabischen Communities in der gesamten Gruppe vertreten.
Erster Tag: Dialog und Ideenaustausch über die Zukunft Wiens
Der erste Tag stand im Zeichen des gegenseitigen Kennenlernens und des Austauschs über Möglichkeiten der Zusammenarbeit und des Zusammenlebens. Im Mittelpunkt standen gegenseitiger Respekt, Geduld und die Bereitschaft, anderen aufmerksam zuzuhören – grundlegende Voraussetzungen für einen konstruktiven Dialog und ein besseres Verständnis zwischen den verschiedenen Bevölkerungsgruppen.
Darüber hinaus diskutierten die Teilnehmenden über die grundlegenden Werte, die ihrer Ansicht nach notwendig sind, um allen Menschen in Wien ein gutes Leben zu ermöglichen. Dabei wurden vier zentrale Prioritäten herausgearbeitet:
- Sicherheit und Stabilität: einschließlich finanzieller und sozialer Stabilität sowie körperlicher Sicherheit.
- Gleichheit und Chancengerechtigkeit: mit fairen Möglichkeiten für alle Menschen, frei von Diskriminierung und Ausgrenzung.
- Lebensfreude und Sinn: durch Lebensbedingungen, die ein stabiles und erfülltes Leben ermöglichen.
- Ein gesundheitsförderndes Umfeld: das den Menschen ein gesundes und angemessenes Lebensumfeld bietet.
Dabei wurde betont, dass die Würde des Menschen als übergreifender Wert all diesen Prioritäten zugrunde liegt.
Ein weiterer Programmpunkt war eine Zukunftsübung zur Frage, wie Wien im Jahr 2040 aussehen könnte. Die Teilnehmenden äußerten ihre Vorstellungen von einer sicheren, gesunden und grünen Stadt, die Vielfalt respektiert, alle Einwohnerinnen und Einwohner willkommen heißt und ihnen echte Möglichkeiten zur Mitwirkung am öffentlichen Leben eröffnet.
Der Beitrag der Syrischen Nationalvereinigung: Fachkräftepotenziale nutzen und Sprachbarrieren überwinden
Im Rahmen der Diskussionen über Arbeit, Integration und die Nutzung beruflicher Kompetenzen brachte Herr Sami Al-Aboud mehrere Vorschläge ein. Dabei ging es insbesondere um Herausforderungen, mit denen qualifizierte und beruflich erfahrene Menschen auf dem Arbeitsmarkt konfrontiert sein können, wenn begrenzte Deutschkenntnisse die Nutzung ihrer Fähigkeiten erschweren.
Er wies darauf hin, dass viele Menschen mit Erfahrung in Handwerksberufen und anderen qualifizierten praktischen Tätigkeiten Schwierigkeiten haben, eine passende Beschäftigung zu finden, obwohl sie über die erforderlichen fachlichen Kenntnisse und praktischen Fähigkeiten verfügen. Ein wesentliches Hindernis kann dabei die sprachliche Verständigung mit Arbeitgebern oder das genaue Verständnis beruflicher Anweisungen sein.
Als mögliche Lösung wurde vorgeschlagen, in geeigneten Berufsfeldern zweisprachige Aufsichtspersonen oder Teamverantwortliche einzusetzen, die sowohl Deutsch als auch die Muttersprache der Beschäftigten beherrschen. Dazu könnten beispielsweise Küchenchefs, Schichtleiter oder Gruppenleiter gehören.
Diese Personen könnten auf Deutsch mit Arbeitgebern und Kunden kommunizieren, Arbeitspläne, Anweisungen und berufliche Pläne oder Zeichnungen verstehen und anschließend den Beschäftigten die erforderlichen Aufgaben in ihrer Muttersprache erklären.
Ein solches Modell könnte dazu beitragen, Anweisungen und Verantwortlichkeiten verständlicher zu machen, Arbeitsabläufe besser zu organisieren, Missverständnisse zu reduzieren und die beruflichen Fähigkeiten und Erfahrungen der Beschäftigten besser zu nutzen – auch dann, wenn ihre Deutschkenntnisse noch begrenzt sind.
Bei der Abstimmung über die eingebrachten Vorschläge erhielt diese Idee 9 von insgesamt 20 Punkten.
Medizinische, akademische und technische Fachkräfte: Berufserfahrung besser nutzen
Ein weiterer Schwerpunkt des Beitrags war die Frage, wie geeignete Beschäftigungsmöglichkeiten für medizinische, akademische und technische Fachkräfte geschaffen werden können. Dies betrifft insbesondere Ärztinnen und Ärzte sowie Pflegekräfte mit guten Englischkenntnissen, aber auch Beschäftigte in der Informationstechnologie und in bestimmten technischen Fachbereichen.
Im Mittelpunkt stand die Überlegung, Englisch in jenen Berufen als Arbeitssprache zu nutzen, in denen dies aufgrund der konkreten Tätigkeit möglich ist. Gleichzeitig sollten ausreichende Deutschkenntnisse für die alltägliche Kommunikation entsprechend den jeweiligen beruflichen Anforderungen vorhanden sein.
Ziel dieses Vorschlags ist es, vorhandene Qualifikationen und Berufserfahrungen besser zu nutzen und qualifizierten Menschen den Zugang zum Arbeitsmarkt zu erleichtern.
Dabei wurde ausdrücklich betont, dass die österreichischen gesetzlichen Bestimmungen sowie die Voraussetzungen für die Anerkennung von Abschlüssen und Berufszulassungen eingehalten werden müssen. Dies gilt insbesondere für die Medizin und die Pflege, in denen die vorgeschriebenen Qualifikations- und Sprachanforderungen weiterhin maßgeblich sind.
Staatsbürgerschaft und doppelte Staatsbürgerschaft: Ein wichtiges Diskussionsthema
Die Staatsbürgerschaft und insbesondere die Möglichkeit einer doppelten Staatsbürgerschaft nahmen in den Diskussionen einen wichtigen Platz ein. Dabei ging es unter anderem um die Herausforderungen, mit denen Menschen mit Migrationsgeschichte konfrontiert sind, sowie um die Frage, ob die ursprüngliche Staatsangehörigkeit neben der österreichischen Staatsbürgerschaft beibehalten werden können sollte.
In diesem Zusammenhang unterstützte Herr Sami Al-Aboud die von Herrn Ahmad aus der irakischen Community und Frau Paradise aus der jordanischen Community eingebrachten Überlegungen zu diesem Thema. Damit unterstrich er die Bedeutung des Dialogs und der Zusammenarbeit zwischen verschiedenen Communities bei gemeinsamen Anliegen.
Der Vorschlag zur Staatsbürgerschaft und doppelten Staatsbürgerschaft erhielt bei der Abstimmung 13 von insgesamt 20 Punkten und gehörte damit zu den Vorschlägen, denen die Teilnehmenden besondere Aufmerksamkeit widmeten.
Demokratische Teilhabe und Wahlrecht
Die Teilnehmenden diskutierten außerdem über Möglichkeiten, die demokratische Teilhabe von Menschen ohne österreichische Staatsbürgerschaft auszuweiten. Dabei wurde unter anderem die Frage erörtert, ob das Staatsbürgerschaftserfordernis vom Wahlrecht und von bestimmten Formen direkter demokratischer Beteiligung getrennt betrachtet werden könnte.
Der Vorschlag, das Wahlrecht und bestimmte Instrumente der direkten Demokratie vom Erfordernis der Staatsbürgerschaft zu entkoppeln, erhielt bei der Abstimmung 6 Punkte.
Die Diskussion verdeutlichte das Interesse der Teilnehmenden daran, Wege zu einer stärkeren Beteiligung der Bevölkerung an Entscheidungen zu erörtern, die ihren Alltag unmittelbar beeinflussen. Dabei bleibt der in Österreich geltende rechtliche Rahmen für politische Rechte zu berücksichtigen.
Gesellschaftliche Anliegen, öffentliche Einrichtungen und Antidiskriminierung
Die Diskussionen umfassten auch eine Reihe von Themen, die das tägliche Leben der Bevölkerung betreffen. Dazu gehörten die Rolle von Einrichtungen und Dienstleistungen, die den Menschen im Alltag nahe sind, die Verbesserung der Kommunikation zwischen der Bevölkerung und den zuständigen Stellen, die Bekämpfung von Diskriminierung sowie die Förderung des gegenseitigen Verständnisses zwischen unterschiedlichen Bevölkerungsgruppen.
Darüber hinaus wurde die Darstellung von Menschen mit Migrationsgeschichte in den Medien thematisiert. Dabei ging es um die Notwendigkeit einer ausgewogenen und fairen Berichterstattung, die nicht einzelne negative Fälle übermäßig hervorhebt und dadurch den Eindruck vermittelt, diese seien für die gesamte migrantische Bevölkerung repräsentativ, während positive Entwicklungen und Leistungen der großen Mehrheit kaum Beachtung finden.
Zahlreiche Menschen mit Migrationsgeschichte respektieren die österreichischen Gesetze, lernen Deutsch, integrieren sich erfolgreich in die Gesellschaft und finden ihren Platz auf dem Arbeitsmarkt. Viele gründen zudem eigene Unternehmen und investieren in kleine und große Betriebe in unterschiedlichen Branchen. Durch ihre berufliche Tätigkeit, ihre unternehmerischen Aktivitäten und die Zahlung von Steuern leisten sie einen wichtigen Beitrag zur österreichischen Wirtschaft und Gesellschaft.
Vor diesem Hintergrund wurde die Bedeutung einer umfassenden und differenzierten medialen Darstellung hervorgehoben. Die Berichterstattung sollte auch die wirtschaftlichen, beruflichen und gesellschaftlichen Beiträge von Menschen mit Migrationsgeschichte sichtbar machen, ohne das Verhalten einzelner Personen pauschal auf ganze Bevölkerungsgruppen zu übertragen. Eine solche Herangehensweise kann das gegenseitige Verständnis, das Zusammenleben und die positive Integration in die österreichische Gesellschaft fördern.
Diese Themen unterstreichen, dass Integration als wechselseitiger Prozess verstanden werden sollte, der Beteiligung, Kommunikation und faire Chancen voraussetzt und zugleich die Achtung der Gesetze und demokratischen Grundwerte erfordert.
Die Präsenz der Syrischen Nationalvereinigung und die Bedeutung gesellschaftlicher Beteiligung
Die Teilnahme der Syrischen Nationalvereinigung am Wiener Bürgerrat verdeutlicht die Bedeutung der Präsenz gesellschaftlicher Organisationen und Vereine in öffentlichen Dialogforen. Solche Initiativen bieten die Möglichkeit, Anliegen und Herausforderungen der Bevölkerung in die Diskussion einzubringen und gemeinsam nach praktikablen Lösungen zu suchen.
Gleichzeitig zeigt die Teilnahme, wie wichtig es ist, Brücken zwischen unterschiedlichen Communities – sowohl arabischen als auch anderen – zu bauen und bei gemeinsamen Anliegen zusammenzuarbeiten. Dazu zählen insbesondere Beschäftigung, Integration, Gleichberechtigung, demokratische Teilhabe und Lebensqualität.
Mit ihrer Beteiligung unterstreicht die Syrische Nationalvereinigung in Österreich ihr Anliegen, ihre gesellschaftliche Präsenz zu stärken, sich aktiv an Diskussionen über die Zukunft Wiens zu beteiligen und Lösungsansätze einzubringen, die die Erfahrungen, Kompetenzen und die Vielfalt der Bevölkerung berücksichtigen.
Hinweis: Die genannten Punkte geben die Abstimmungsergebnisse zu den im Bürgerrat eingebrachten Vorschlägen wieder. Sie bedeuten für sich genommen weder, dass die Regierung entsprechende Beschlüsse gefasst hat, noch, dass gesetzliche Änderungen in Kraft getreten sind.
Die Nationale Syrische in Österreich












